Mit Kräuterkraft und himmlischem Segen

Kräuterbüschelweihe

Im ZweiTälerLand sind die Menschen mit ihrem Land und Glauben eng verwurzelt. Bräuche und Traditionen werden seit vielen Generationen bewahrt, praktiziert und an die nächste Generation weitergegeben. Einer der ältesten Bräuche ist die Kräuterbüschelweihe an Mariä Himmelfahrt, der göttlichen Segen für Mensch und Hof verheißt. 

Die Tradition besagt, dass mindestens sieben verschiedene Kräuter mit besonderen Heilkräften zu einem Strauß gebunden werden sollen. Die Kräuter werden Mitte August gesammelt. In dieser Zeit blühen viele der wichtigsten Heilkräuter und entfalten ihre stärkste Wirkung. Dazu gehören Tausendgüldenkraut, Königskerzen, Ysop, Wermut, Beifuß, Schafgarbe und Salbei. Von den Kräutern werden handgroße Büschel mit grünen Lilienblättern zusammengebunden, bis ein länglicher Strauß von 30 bis 50 Zentimetern Länge entsteht. Jeder Ort hat eine andere Art und Weise, die Sträuße zu binden. Häufig werden Gartenblumen, Dahlien und Ähren hinzugenommen, um dem Strauß einen farbigen Akzent zu verleihen.

Die Kräuterbüschelweihe ist einer der ältesten Bräuche der katholischen Kirche. Im Volksglauben war Maria Beschützerin der Ackerfrüchte und Blumen. Maria wurde als Blume des Feldes, Lilie der Täler und schönste Blume in Gottes Paradiesgarten verehrt.

Die gebundenen Kräuterbüschel werden an Mariä Himmelfahrt, ursprünglich als „Hohen Liebfrauentag“ bezeichnet, in die Kirche gebracht und dort vom Priester geweiht. Dabei spricht der Priester einen Segen über die Heilkräuter aus. Die so geweihten Sträuße werden an besonderen Plätzen in den Häusern angebracht. Viele stellen sie in den Herrgottswinkeln ab. Das sind besondere, meist in der Wohnstube befindliche Ecken, die mit einem Kruzifix, Kerzen, Gesangbuch oder einer Bibel ausgestattet sind. Meist bleibt der Strauß über die Dauer eines Jahres an diesem Ort, bevor er, wenn die nächste Kräuterbüschelweihe ansteht, im Ofen verbrannt wird.

Einen solch geweihten Strauß im Haus zu haben, bedeutet für die Familie einen besonderen Segen, der vor Krankheit, Feuer und Missernten schützen soll.