Zum Totentanz in der Beinhauskapelle zu Bleibach

„Wem die Stunde schlägt”

Zum Totentanz in der Beinhauskapelle zu Bleibach

Hämisch grinst er dich an, der Sensenmann. Er weiß, dass dein letztes Stündlein geschlagen hat.

Jetzt bittet er dich zum Tanz. Wie alle anderen musst auch du das Tanzbein schwingen. Denn eines ist sicher: Dem Todesreigen kann niemand entkommen. Gruselig, faszinierend und einzigartig präsentiert sich der Bleibacher Totentanz aus dem Jahr 1723 in der Beinhauskapelle seinem Betrachter. Im Mittelpunkt des Wandgemäldes stehen sechs Knochengerippe, die mit denkbar makabren Instrumenten musizieren.

"haemisch grinzt er dich an, der Sensenmann - er weiss, dass dein letztees Stuendlein geschlagen hat"

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Auf den umlaufenden 33 Bildern sind Knochenmänner mit unterschiedlichen Mimiken zu sehen, wie sie vom Kleinkind, über den Taglöhner und Bauernburschen hin zum Edelmann, König und Geistlicher zum Tanz auffordern. Die Aussage ist schlicht und ergreifend, im wahrsten Sinne des Wortes: Jeder, ob arm oder reich, muss einmal sterben.

Das vollständig erhaltene Wandgemälde wurde mit Ölfarbe auf das holzverschalte Rundgewölbe der Kapelle aufgemalt, die sich direkt neben der Pfarrkirche St. Georg in Bleibach befindet. Es ist der einzige vollständig erhaltene Totentanz im süddeutschen Raum und einer der wenigen verbliebenen in Europa und ein unschätzbar wertvolles kulturhistorisches Juwel.

Birgit-Cathrin Duval

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Birgit-Cathrin Duval