Fasnet

Die wichtigste Jahreszeit in unserer Region ist die fünfte - die Fasnet. Man kann sie nicht beschreiben, man muss sie selbst erleben.

Hexen und Teufel, Schuttige und Rägemolli, Wilde Männer und Möslegeister, Bajasse und Alte Jungfern, .... schreiten, hopsen und springen durch die Straßen unserer Dörfer und Städte. Blechmusik und Fanfarengruppen geben den Rhythmus vor, wilde Sprünge begeistern die Zuschauer. Die Umzüge der schwäbisch-alemannischen Fasnet gehören zu den größten Volksfesten im Schwarzwald.

Die Elzacher Fasnet mit der bundesweit bekannten Narrengestalt des Schuttig, ist uraltes, echtes Brauchtum; nicht muffig, sondern quicklebendig, ansteckend, mitreißend. Die Fasnet in Elzach, sie ist kurz, nur drei Tage. Aber wer von dieser fasnächtlichen Springflut einmal erfasst ist, wird mitgerissen, eingetaucht in diese Atmosphäre von Musik und Gelärm, von Fröhlichkeit und geheimnisvollem Tun.

Am Fasnetsonntag, Schlag zwölf Uhr, wird die Narrenfreiheit durch den Narrenrat ausgerufen und das Heer der wilden Schuttig reißt in unbändigem Lauf das närrische Regiment an sich. Der Elzacher Schuttig mit seinem feuerroten Zottelgewand, dem Schneckenhut mit den Wollbollen und der schreckhaften Holzlarve ist ein später Nachkomme des Wilden Mannes, der in den Vorstellungen der alpenländischen und alemannischen Volksstämme als ein Wald- und Bergwesen angesehen wurde und als Winterdämon galt.

Als Narrengerät dienen „Saublodere“ und Streckschere, die früher noch durch Besen und Geißelstöcke ergänzt wurden. Es kann als erwiesen angesehen werden, dass der Schuttig in Elzach seit dem 16. Jahrhundert Heimatrecht besitzt. Sein Name wird von „Schaurtag“, mundartlich „Schurtig“ abgeleitet, und so nannte man bis in das 18. Jahrhundert den Aschermittwoch.

Eine eindrucksvolle Dokumentation des Elzacher Narrentums bieten die Umzüge mit bis zu 1200 Schuttig und den Narrenkapellen. Der schwarze Teufelsschuttig mit seinem Dreizack führt den Zug an, gefolgt von der ruhmreichen Zunftfahne. Die großen und kleinen Schuttig machen zu den zündenden Klängen der Narrenmärsche ihre Sprünge und knallen die „Saublodere“  auf den Boden und necken vorwiegend die holde Weiblichkeit mit der Streckschere.

Aber nicht nur in Elzach, auch die anderen Gemeinden des ZweiTälerLands begeht man die Fasnet ausgiebig, so beispielsweise in Waldkirch. Da sich auf der Waldkircher Gemarkung der geschichtliche Hexenberg des deutschen Südwestens, der Kandel, befindet, auf dem die Hexen nicht nur einzeln sondern auch in Gruppen hingerichtet wurden, hat es sich geradezu angeboten, in Waldkirch die Fasnetsfigur der „Hexe“ zu entwerfen. Es entstanden drei Hexengruppen: Die „Kandelhexe“, die „Burghexe“ und die „Steinkrähe“. Nach der Zeremoniensatzung  können nur männliche Narren über 18 Jahren Mitglieder der Hexengruppen werden. Die Aufnahme neuer Hexen wird zu einem Ritual, das alle Schauerlichkeiten aus der Welt d es Bösen zum Ausdruck bringt. Es ist ein Spektakel, das jeden Fasnetssamstag Einheimische und Gäste auf dem Marktplatz zieht.

Am Fasnetsdienstag um 20.11 Uhr hat für die geliebte Fasnet das letzte Stündlein geschlagen. Da wird sie auf dem Marktplatz unter Beteiligung einer großen Trauergemeinde öffentlich verbrannt. Zuvor wird sie in einem großen Leichenzug als bekleidete Strohpuppe auf der Bahre durch die Straßen der Stadt getragen. Die Stadtmusik spielt dazu unaufhörlich „da capo al fine“ den Trauermarsch in Moll, und die abgekämpften Bajasse und Hexen versuchen noch einmal zaghaft ihre letzten Hopser dazu. Der Narrenrat  schreitet in Frack und Zylinder mit den Narreneltern in tiefer Trauer hinter der Leiche. Auf dem Marktplatz bricht erneut von allem Volk der herzzerreißende Jammer mächtig los. Der Narrenvogt übergibt jetzt den großen Stadtschlüssel wieder dem Bürgermeister und hält seine Leichenrede.

Somit wird die Tote unter dem Krachen der Böller den Flammen übergeben und verglühend knistern die Kränze im Feuer. Das ist der Grund für die Stadtmusik, zum  Abschluß noch einmal den Narrenmarsch zu spielen, und den Bajassen und Hexen führt die Musik schließlich in die Glieder, daß sie um das verglimmende Feuer zum letzten Mal in diesem Jahr tanzen. Abschließend begibt sich der Bürgermeister mit dem Narrenrat und deren Frauen ins Zunftlokal, um die traditionelle Mehlsuppe als Leichenschmaus zu verzehren. Um Mitternacht ist alles raus; denn jetzt ist Aschermittwoch.

Emmler-_MG_9041

Mit Strohfinken zum Feuertanz

Viel mehr als närrische Tage - die Fasnet im ZweiTälerLand

 Birgit-Cathrin Duval

Veranstaltungen

zum Thema Tradition & Brauchtum