Waldkirch feiert seine Orgelbautradition mit einem 3-tägigen Orgelfest

„Die Orgel ist ein Klangwunder“

Die Orgel hat es nicht leicht. Sie ist sperrig, klobig, unglaublich schwer und unverrückbar. Dabei ist ihr Klang über viele Jahrhunderte zeitlos geblieben, er schwebt sphärisch zwischen Himmel und Erde.

„Es ist Musik, die du nicht greifen kannst, sie braucht Raum, sie wirkt im Augenblick. Um ihre Klänge zu hören, müssen Menschen zur Orgel kommen“, erzählt Wolfgang Brommer.

 

Dass es auch heute gelingt, Menschen für das Hörerlebnis des Orgelklangs zu begeistern, beweist Waldkirch mit seinem internationalen Orgelfest. Im Juni 2020 ist Waldkirch erneut für drei Tage die Welthauptstadt des Orgelspiels, das Menschen aus dem gesamten Globus zusammenbringt.

 

Denn kein anderes Handwerk hat Waldkirch so geprägt wie der Orgelbau. Seit 1799 liefern die Waldkircher Orgelbaumeister Kirchenorgeln, Orchestrien, Jahrmarktsorgeln und mechanische Musikapparate in alle Welt. In den Werkstätten arbeiten heute die Nachfahren berühmter Orgelbauer, fertigen neue Orgeln oder restaurieren sie in monatelanger, aufwändiger Handarbeit. „Wir haben eine Handwerkskunst mit historischer Geschichte, die nach über 220 Jahren heute noch ausgeübt wird“, erzählt Orgelbaumeister Wolfgang Brommer.

 

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, Orgelbaumeister Heinz Jäger leitet er eine der fünf verbliebenen Orgelbauwerkstätten und ist im Vorstand der Waldkircher Orgelstiftung tätig. Ihre Mission: Die Orgel als Kulturgut zu erhalten. „Wir wollen die Orgeln zu den Menschen bringen, ihnen das Hörerlebnis zugänglich machen“, umschreibt Brommer die Aufgabe der Waldkircher Orgelstiftung, die sich um Förderung und Bewahrung des Orgelhandwerks kümmert.

 

Für Wolfgang Brommer ist die Orgel mehr als ein Musikinstrument. Sie ist  Leidenschaft. Als Orgelbauer und Organist vereint er beide Passionen.

Eine Orgel bauen sei eine sensible Sache, erklärt Brommer. „Jede Orgel wird individuell für den Raum angefertigt.“ Bevor es an die Planung geht, muss zunächst der Raum erfasst werden: Welche Ausstrahlung besitzt er, wie wirken sich die Frequenzen aus, wie tönt er? Brommer klatscht, zischt, singt, bläst in die Pfeifen, spürt, wie sich die Klänge im Raum ausbreiten. Denn jede Eigenheit, die der Raum mit sich bringt, wirkt sich auf die Orgel aus. Zwischen Raum, Handwerkskunst und Instrument muss eine Harmonie bestehen, erzählt Brommer.

 

Wer bei Orgeln nur an Kirchenorgeln denkt, wird überrascht sein von der Vielfalt der Orgeln, die in den Waldkircher Werkstätten gefertigt werden und in den Ausstellungen der Waldkircher Orgelstiftung und im Elztalmuseum zu sehen sind. Wer kennt sie nicht, die Jahrmarktsorgeln, die Leierkastenmänner und Straßenmusikanten, die mit ihrem Spiel auf der Kirmes unterhalten?

 

Während wir heute Musik auf Datenträgern und im Internet konsumieren, faszinieren mechanische Orgeln besonders junge Menschen. Als Datenspeicher fungiert bei den Drehorgeln eine Walze als Tonträger. So ist die Drehorgel ein Vorläufer der heutigen Tonträger, auf der Musik gespeichert ist, die jederzeit ohne Computer und Strom live zugänglich ist. „Die Orgel ist in jeder Hinsicht ein Klangwunder“ umschreibt es Wolfgang Brommer, während er die hölzernen, oft filigran verzierten Drehorgeln im Orgelbauersaal der Waldkircher Orgelstiftung zeigt.  

 

Beim Orgelfest dreht sich alles um dieses Klangwunder. In der Stadt geben mehr als 10791 Pfeifen den Ton an und begeistern Menschen mit ihren Klängen. Wenn in den Kirchen meisterhafte Konzerte gespielt und Orgelspieler aus aller Herren Länder mit ihren Dreh- und Jahrmarktsorgeln auf den Straßen und Gassen von Waldkirch aufspielen, ist gute Laune angesagt.

 

Erleben Sie diese einzigartige Atmosphäre, schauen Sie den Orgelbauern bei der Arbeit zu, erleben Führungen und Vorträge und seien Sie dabei, wenn das UNESCO Weltkulturerbe in Waldkirch gefeiert wird.