Viel mehr als närrische Tage - die Fasnet im ZweiTälerLand

Mit Strohfinken zum Feuertanz

Während der Fasnet steht das ganze ZweiTälerLand Kopf. Kunstvoll geschnitzte Holzmasken und bunte Narrenkostüme, die man als Häs bezeichnet, bestimmen das Straßenbild. Die uralte Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnacht wird nirgends sonst mit solcher Begeisterung gefeiert wie im ZweiTälerLand. Traditionell dauern die närrischen Tage der alemannischen Fasnet vom „Schmutzige Dunschtig“ bis Aschermittwoch.

In Elzach sind es die Schuttig, in Gutach die Johli. Dazu die Niederwindemer Schindlejokel, Oberwindemer Spitzbue, die Kollnauer Feuerteufel, die Waldkircher Kandelhexen, die Jockele aus Gütenbach und in Simonswald die Simiswälder Hohwaldgeister und die Gfäll-Hexen, die ihr Unwesen treiben.

Bei der nur dreitägigen Fasnacht in Elzach treiben die Schuttig mit Fackelzug und Feuertanz den Winter aus. Ein einzigartiges Spektakel, das man einmal erlebt haben muss!

Nicht weniger schaurig sind die Kandelhexen, die zum Hexensabbat ums offene Feuer tanzen. Dabei müssen sie höllisch aufpassen, denn ein kleiner Funke reicht, um die Strohfinken der Hexen zu entflammen!

Die Herstellung von Strohschuhen gehört mit zu den liebevoll gepflegten Brauchtümern im ZweiTälerLand. Erna und Hermann Wangler zählen zu den letzten verbliebenen, die das Handwerk im Simonswäldertal ausüben.

Es ist Hochsommer und in der Stube der Wanglers herrscht Hochbetrieb. Bis zur nächsten Fasnacht ist es noch lang, doch bereits im Juni bestellen die Narrenzünfte neue Strohschuhe. „Es gibt nur noch ganz wenige, die handgemachte Strohschuhe herstellen“, sagt Erna Wangler. Rund sechs Stunden Handarbeit stecken in den liebevoll gefertigten Schuhen – vom Putzen des Strohs bis hin zur aufwändigen Sohle. Pro Jahr stellen die Wanglers rund 100 Paar ihrer Strohschuhe her.

Die zeitintensivste Arbeit ist das Putzen des Strohs. Die 1 bis 1,5 Meter langen Halme werden im nassen Zustand gesäubert – Halm für Halm. Eine mühsame und langwierige Arbeit. Nachdem die Halme gesäubert und genässt sind, werden sie zu langen Zöpfen geflochten. Nun ist genaues Augenmaß gefragt, wenn die geflochtenen Stränge auf die Schuhleisten angepasst werden.

Das Aufnähen der Sohle, die aus einem zugeschnittenen Autoschlauch besteht, obliegt Hermann Wangler. Um die Sohle anzubringen, hat sich Hermann Wangler einen Lederschutz für den Daumenballen zugelegt. Damit kann er die Nadel besser durchstechen. Wichtig ist, dass die Sohle glatt am Stroh liegt und keine Falten wirft. „Es ist eine schwere Arbeit, da tut jeder Finger weh“, gibt er zu. Innen werden die Sohlen mit Fließmaterial ausgestattet – damit die Hexen keine kalten Füße bekommen. Zum Schluss werden die Bänder und Bommeln mit den individuellen Farben der jeweiligen Hexenzunft aufgenäht und fertig sind die Strohschuhe.

„Für uns ist es eine schöne Sache, Hobby und Brauchtum miteinander zu verbinden“, sagen die Wanglers. Das Handwerk der Strohschuhfertigung haben sie von ihren Großeltern und Tanten erlernt. Gerne würden sie ihr Wissen an die jüngere Generation weitergeben, doch leider findet sich niemand, der daran Interesse hat. Denn das Handwerk benötigt sehr viel Zeit.

Und so macht sich Erna Wangler wieder ans Werk, damit die bestellten Schuhe bis zur nächsten Fasnacht fertig sind.