Jochen Scherzinger entwirft mit seinem Label Artwood Black Forest lässige Mode für Kerle und Maidle

Wenn Schwarzaldtracht auf Streatwear trifft

Irgendwo ganz am Ende des Hübschentals bei Gütenbach. Dort, wo es nur Wiesen, Kühe und Tannenwälder gibt und das enge Sträßchen in einen Feldweg übergeht. Wenn man denkt, jetzt hat man sich verfahren, genau dann ist man an der richtigen Adresse angekommen: Bei der Design-Schmiede Artwood Black Forest.

Ein Typ in Hosenträgern, Hut, mit tätowierten Armen, Ohr- und Nasenringen öffnet die Tür: Das ist Jochen Scherzinger, 33, Modedesigner und Inhaber von Artwood Black Forest. 

Für Klamotten hat er sich von klein auf interessiert, aber was will einer, der im tiefsten Schwarzwald aufwächst, mit Mode machen? Dann lieber einen soliden Handwerksberuf lernen. Scherzinger wird Werkzeugmechaniker. Drei Jahre hält er durch, dann schmeißt er hin. Mit 26 Jahren fängt er noch einmal von vorne an und studiert Modedesign.

Der Schwarzwald ist seine Heimat, hier im Hübschental ist er verwurzelt. „Das ist ein Gefühl, das ich nicht missen will.“ Aus diesem Gefühl heraus entwirft er seine Mode. Eine Mischung aus Schwarzwaldtracht und Streetwear für „Kerle“ und „Maidle“. „Meine Schwarzwaldmode soll zeitlos sein, kein Mainstream“, erzählt der Jungdesigner.

Er kreiert Schnitte und Designs wie sie anno dazumal von Uhrenmachern oder Zimmerleuten getragen wurden. Daraus entstanden die Kapuzenpullis mit Eingriffstaschen im Zimmermannshosen-Stil. „Diese Hoodies stehen einem 17-Jährigen genauso gut wie einem 70-Jährigen“, sagt Scherzinger selbstbewusst. 

Jochen Scherzinger hat sich mit seiner Mode ein großes Ziel gesteckt: Das Label Artwood Black Forest soll Kultcharakter entwickeln, „so wie der Schwarzwald auch.“ Bodenständig und ohne Schnick-Schnack. Frech und kantig kommen seine Motive daher. Auf den T-Shirts finden sich Aufdrucke alter vergilbter Schwarzwaldfotografien. „Das hier ist Oma Leonie“, erklärt Scherzinger und zeigt auf ein junges Mädel in einer Schwarzwaldlandschaft. 

Aus einer Tuschezeichnung seines Vaters vom „Balzer Herrgott“, einer Christusfigur, die im Laufe der Jahre von einem Baum umwachsen ist, entstand eines seiner ersten Shirts. Nun steckt er mittendrin in seiner neusten Kreation: eine Herrenjacke mit Streublümchensamt. Die Herausforderung dabei: Scherzinger will zwar exklusive Mode machen, aber zu vernünftigen Preisen. „Meine Produkte sollen von Schwarzwäldern getragen werden.“ 

Häufig kommen Fans zu ihm ins Hübschental und kaufen bei ihm ein. Der Showroom von Artwood Black Forest ist mehr als ein Schaufenster für seine Klamotten. In der Ecke steht ein 300 Jahre alter Bauernschrank, an der Wand hängt ein Hirschgeweih, daneben alte Malereien, Rosenkränze und ein Gütenbacher Häs, eine hölzerne Fasnachtsmaske. Dazwischen liegen die Hoodies, Blusen und T-Shirts von Artwood Black Forest. Jedes Teil hat ein Label mit Waschanleitung in Deutsch, Englisch und Schwarzwälder Dialekt. 

Seine Klamotten vertreibt er über den eigenen Webshop und in einigen ausgewählten Läden.

Mit seinen frechen Designs ist Jochen Scherzinger auf dem besten Weg, seine Schwarzwälder Trachtenstreetwear in urbanen Straßenschluchten salonfähig zu machen. Man darf gespannt sein, was sich der Designer aus dem Hübschental während des langen, dunklen Schwarzwaldwinters alles einfallen lässt.