
„Hochwohlgeborene edle Lüt, die Ihr den Weg in unser schön Städtelein gefunden habet – seid aufs Herzlichste begrüßet vom Türmer und nehmet diese Lämpelein, auf dass Ihr klarer sehet , was sich an Wunderlichem in unserem Städtelein und auf unser Kastelburg im Laufe der Jahrhunderte so alles sich ereignete“. Seit 20 Jahren ist Thomas Kern in Waldkirch Stadtführer und seit nun zehn Jahren schlüpft er in die Gestalt des Türmers und seine Frau Barbara in die Figuren des Torwächters Weib oder der Burgköchin.
Die reichhaltige Geschichte der lebenswerten und seit 2002 mit der Auszeichnung einer cittaslow bedachten Stadt wird mit einem Augenzwinkern immer zum lebendigen Erlebnis. So authentisch wie die dargebotene Geschichte sind auch die getragenen ‚Gewandungen‘ – es handelt sich nicht um Theaterkostüme, sondern um aufwändig gestaltete Repliken, deren Vorlagen von zeitgenössischen Gemälden stammen. Die Zeitreise beginnt meist auf dem Marktplatz, dem Herzen der Stadt und erlaubt ein Treffen mit einem Edelsteinschleifer, einem jahrhundertealten, aber immer noch ausgeübten Gewerbe. Und manchmal ertönt aus einer ansässigen Orgelwerkstatt auch der melodiöse Klang einer Drehorgel, deren Geschichte im Elztalmuseum anschaulich dargestellt ist.
Insgesamt zwölf Personen, alle Laiendarsteller, sind im Einsatz, wenn es zu einer vierstündigen Zeitreise auf die mächtige Ruine der Kastelburg mit ihrem 28 Meter hohen Turm geht, vom dem aus man in die Richtung der umliegenden Stadtteile Suggental, Buchholz, Siensbach und Kollnau blickt. Mannshohe Holzritter säumen den Weg, doch oben locken Most und Schmalzbrot, eine Vorführung der Stangenbüchse und der Kunst „ein gar lustig flackerndes Feuerlin zu entzünden“ – selbstverständlich ohne das, damals noch unbekannte, Streichholz.