Mit dem Mountainbike zur Wallfahrt auf den Hörnleberg

Halleluja auf groben Stollenreifen

Der Morgentau schimmert wie silberne Perlen auf den Wiesen, über den Tälern geistern Nebelschleier. Die Luft ist frisch und riecht nach Herbst. Am Bahnhof in Elzach treffen die ersten Biker ein. Sie tragen bunte Helme und Gore-Tex-Jacken. Stramme Waden zeugen von unzähligen Kilometern auf den Trails. Jedes Jahr Ende September kommen 200 Mountainbiker zur großen Mountainbike-Wallfahrt zusammen. Im Schwarzwald ist das einmalig. 

Für den Segen Gottes muss kräftig in die Pedale getreten werden. Gut 1.000 Höhenmeter Anstieg gilt es zu meistern, bis die Kapelle auf dem markanten Hörnleberg erreicht ist, dem 905 Meter hohen Hausberg von Winden im Elztal. Aber genau das macht schließlich den Reiz des Mountainbikens im ZweiTälerLand aus. Knifflige Trails gespickt mit Wurzeln und Absätzen, schweißtreibende Anstiege und rasante Abfahrten, bei denen das Adrenalin durch den Körper schießt.

Für die Mountainbike-Wallfahrt wählen die Organisatoren, Peter Behrmann und Christian Bronner, nur die besten Trails in ihrem Bikerevier aus. Und natürlich kommt die Aussicht an exponierten Stellen auf die urige Schwarzwaldlandschaft nicht zu kurz.

Viel Zeit zum lockeren Einradeln bleibt der Gruppe nicht, denn gleich vom Start weg geht es bergauf. Die munteren Gespräche gehen in meditatives Schweigen über, nur das Knirschen der Stollenreifen auf dem Schotter ist noch zu hören. Knapp zwei Stunden später ist die Gruppe am Gipfel angekommen, an dessen höchstem Punkt sich die weiße Kirche befindet. Es ist in der Tat ein mystischer und heiliger Ort, dessen geheimnisvolle Kräfte noch heute spürbar sind.

Nun heißt es, Absteigen, Luft holen und die wunderbaren Aussichten genießen. Der Platz rund um die Kirche füllt sich mit Mountainbikes und Mountainbikern: Aus allen Himmelsrichtungen radeln sie die letzten Höhenmeter zur Kirche hinauf. Auch viele Wanderer sind gekommen. Um 14 Uhr läutet die Glocke den Gottesdienst ein. Nach der halbstündigen Andacht schmettern die 200 Radfahrer ihr „Bikerlied“: „Auf den Gipfel hoch pilgerten wir heut zur Mutter Gottes hin von nah und weit“. Danach weiht der Pfarrer die Mountainbikes. Mit dem Segen Gottes kann beim Downhill ins Tal nichts mehr schief gehen. 

In diesem Artikel erwähnt

Hörnleberg

frei zugänglich / immer geöffnet

Mit seinen 905 Metern bietet der Hörnleberg eine fantastische Aussicht auf das Elztal.

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