"Auf Joschi ist Verlass"

Retter auf vier Pfoten

Seine Nase kann Leben retten. Wenn Joschi im Winter zum Einsatz gerufen wird, ist irgendwo im Schwarzwald eine Lawine abgegangen.
Dann entscheiden Minuten über Leben oder Tod. Denn Joschi ist der einzige Lawinensuchhund in Baden-Württemberg. Zum Einsatz geht es per Hubschrauber in eisige Höhen.

Noch bevor ich klingle, hat Joschi mich gewittert. Mit lautem Bellen kündigt er meinen Besuch an. Als sich die Tür öffnet, werde ich von dem quirligen, langhaarigen Vierbeiner ausgiebig beschnuppert. Sein Besitzer, Hundeführer Johannes Hepting bittet mich herein, wir setzen uns auf die Veranda. Joschi legt sich auf seinen Lieblingsplatz unter der Holzbank.

Hepting erzählt vom Einsatz im vergangenen Winter. Es ist nachmittags, als das Handy klingelt. Beim ersten Ton ist Joschi hellwach. Es ist kein normaler Anruf, es bedeutet Alarm. Nur wenige Minuten später hören sie ein vertrautes Geräusch: Das Rattern des Rettungshubschraubers der nur wenige Meter neben dem Haus in Biederbach landet. Zehn Minuten später erreichen die beiden den Feldberg. Auf dem Gipfel angekommen, legt Hepting Joschi die Kenndecke um. Das ist das Signal für Joschi: Jetzt muss er suchen. Seine Nase stöbert durch den Schnee. Solange, bis er die Witterung der verschütteten Person aufgenommen hat und anfängt zu graben.

Für Ernstfälle wie diesen hat Johannes Hepting seinen Hund viele Jahre lang ausgebildet. Auch Johannes Hepting verfügt über eine langjährige Erfahrung. Seit 25 Jahren ist er Rettungshundeführer beim Deutschen Roten Kreuz.

Johannes Hepting holte den Welpen vor fünf Jahren aus dem Münsterland in den Schwarzwald. Schon damals habe er geahnt, was in Joschi steckt, sagt Hepting. Griffons, eine französische Jagdhundrasse, verfügen über einen ausgezeichneten Spürsinn und sind sehr umgänglich. Hepting, der auch Mitglied der Bergwacht ist, gewöhnte seinen Hund von klein auf spielerisch an die Suche. Mit seinen fünf Jahren ist Joschi längst ein Profi. „Er arbeitet sehr selbstständig und wir sind einfach ein eingespieltes Team“, sagt Johannes Hepting. „Auf Joschi ist immer Verlass.“ Auch dann, wenn der Hubschrauber nicht landen kann und die beiden mit einer Seilwinde abgeseilt werden, bleibt Joschi ruhig. Kein Wunder, denn die beiden verbringen quasi 24 Stunden am Tag zusammen. Täglich ist der Hundeführer mit Joschi unterwegs. Im Januar trainiert er mit der Lawinensuchhundestaffel auf der Zugspitze und zweimal wöchentlich mit der Rotkreuzhundestaffel in Freiburg.

Noch rund vier Jahre wird Joschi im Einsatz sein. Dann ist er neun und darf seinen Ruhestand genießen. Denn die harte Suche im Gelände geht auf die Gelenke. „Langsam muss ich mich auf die Suche nach einem Nachfolger machen, den ich ausbilden kann“, sagt Hepting. Denn eines steht fest: Joschi soll nicht der einzige Lawinensuchhund im Schwarzwald bleiben.